SSG-Kevelaer
1. Bundesliga

Im Triple zum Double

SSG Kevelaer sichert sich Nordmeistertitel - Geschwister Janshen sorgen für Premiere in der Bundesfinale - Finale in Neu-Ulm in der Ratiopharm Arena auf Juni verschoben

In der Schießsportszene hat es einige Jahre gedauert, bis man den Zwilling Anna und Franka Janshen auseinanderhalten konnte. Doch beim Blick auf die Ergebnistafel beim Bundesligawettkampf in Paderborn hatte man wieder Schwierigkeiten einen Unterschied zwischen beiden zu erkennen. Erzielten sie doch im ersten Wettkampf gegen SV Petersberg beide das Optimum von 400 Ringen.

Einzig der unterschiedliche Rhythmus war zwischen beiden auffällig. Während Franka einen „Lauf“ hatte und als eine der ersten den Stand und als Siegerin verlassen konnte, kämpfte sich Anna durch den Wettkampf. Mehrere Unterbrechungen musste sie vornehmen, um sich zu sammeln. So stand sie als eine der letzten auf dem Stand, als nur noch 10 Minuten Restzeit angesagt wurde. Da musste sie noch zehn Schuss abliefern. Doch wenn Anna Janshen eines kann, dann ist es kämpfen und sich vollkommen fokussieren. Mit ihrer Routine und ihrem Können schaffte sie dann ebenfalls 400 (Ringe). Das war auch notwendig, denn ihr Gegner, Tom Barbe, hatte 399 vorgelegt, die erst einmal überwunden werden mussten. Die zwei 400er Ergebnisse in einem Wettkampf war eine Premiere in der Bundesligageschichte der SSG Kevelaer. Das 400er Double eines Zwilling wird dabei wahrscheinlich ein Ewigkeitsrekord in der Bundesliga bleiben.

Geschwister Janshen als Triple

Das Double der 400er Serien der Schwestern wurde zum Geschwister-Triple durch den Einsatz von Simon Janshen als Spielertrainer auf Position fünf. Der fünf Jahre ältere Bruder hatte damit seinen ersten Bundesligaeinsatz überhaupt. Dass er das Team nicht nur meisterlich coachen kann, sondern auch weiß, worüber er spricht, stellte er aus dem Stegreif mit Ergebnissen von 394 und 392 eindrucksvoll unter Beweis. Augenzwinkernd wurde danach kolportiert, dass Anna und Franka nur deswegen 400 geschossen hätten, um ihren Bruder Simon ergebnistechnisch auf sicherer Distanz zu halten. Sein Einsatz war nicht die einzige Position, die der amtierende Deutsche Bundesligameister in Paderborn ausgleichen musste. Franziska Driessen kam in Paderborn schon zu ihrem fünften (392) und sechsten (393) Bundesligawettkampf. Der doppelte Austausch war erforderlich, weil die Stammschützen Sergey Richter und Jana Erstfeld nicht zur Verfügung standen. Glücklich der Verein, der auf solchen Ersatz bauen darf. Darunter musste zunächst der SV Petersberg leiden. Mit 5:0 gab es für die Hessen eine klare Niederlage. Kein Wunder, erzielte die SSG Kevelaer mit 1984 Ringen am ersten Wettkampftag doch auch noch die Tagesbestleistung in der Bundesliga und blieb damit nur drei Ringe unter dem eigenen Vereinsrekord.

Zweite 400 von Anna Janshen an einem Wochenende

An das Sportzentrum Maspernplatz in Paderborn haben die SSG Schützen gute Erinnerungen. Konnten sie hier doch 2019 ihren ersten Bundesligameistertitel erringen. Damals noch unter der sportlichen Leitung von Rudi Joosten, der Anfang diesen Jahres verstorbene Trainer und langjährige Vorsitzender. Diese Atmosphäre verlieh auch Anna Janshen am zweiten Wettkampftag zu einem weiteren Höhenflug. Denn auch gegen den SV Kamen gelang ihr das Kunststück von perfekten 40 Schuss. Diesmal war ihr Rhythmus viel gleichmäßiger. Gewohnt zügig absolvierte sie den Wettkampf und am Ende standen nicht nur 400 Ringe auf der Anzeige. Auch der Ringdurchschnitt von 10,58 Ringe von 10,9 möglichen war auf Weltklasseniveau.

Die Ergebnisse im einzelnen: SSG Kevelaer : SV Petersberg, 5:0. Anna Janshen 400 (Tom Barbe 398), Alexander Thomas 398 (Johanna Tripp 395), Franka Janshen 400 (Mona Heck 393), Franziska Driessen 392 (Anna Beck 379), Simon Janshen 394 (Michael Döllinger 385). SSG Kevelaer : SV Kamen, 5:0. Anna Janshen 400 (Klaas Viehbahn 396), Alexander Thomas 395 (Jan Weiring 386), Franka Janshen 397 (Patrick Trunk 394), Franziska Driessen 393 (Julia Münch 380), Simon Janshen 392 (Wesly Holthuijsen 379).

Nordmeistertitel und verschobenes Finale

Mit den beiden weiteren Siege konnte sich die SSG Kevelaer auch den Nordmeistertitel der Bundesligavorrunde sichern. Im Finale treffen die Marienstädter nun auf die Auswahl des SV Niederlauterbach (bei Ingolstadt) als Viertplatzierten der Bundesliga-Süd. Dieses wird nicht in der Ratiopharm Arena in Neu-Ulm, sondern in der Finalhalle der Olympiaanlage in München am 05./06. Februar ohne Zuschauer stattfinden. „Ein Bundesligafinale ohne die einzigartige Zuschaueratmosphäre ist sehr schmerzlich und nur schwer vorstellbar. Der Schießsport lebt von der Nervenanspannung und der mentalen Stärke der Schützen. Daher ist es ein einmaliges Erlebnis, wenn man vor einer großen Kulisse Deutscher Bundesligameister wird“, so Lambert Janshen, Vorsitzender der SSG Kevelaer, der mit der SSG Kevelaer die Verschiebung des Bundesligafinales in den Sommer hätte nachvollziehen und mittragen können. Beim Finale wird die Mannschaft der SSG nun auf die gewohnt große Fangruppe der SSG verzichten müssen, die sich schon eine neue Fanchoreographie ausgedacht hatte, um die Mannschaft zu unterstützen.

Auch die Reserve der SSG Kevelaer konnte zeitgleich ihre Saison in der 2. Bundesliga erfolgreich mit einem 5. Platz beenden. Gegen den Relegationsteilnehmer zur 1. Bundesliga, PSS Inden/Altdorf bei Aachen schaffte das Team um Trainer Hans-Josef Dohmen ein respektables 3:2. Herausragende Schützin hier war wieder einmal Hannah Wehren. Die 17-Jährige Juniorennationalmannschützin erreichte an ihrem Geburtstag im letzten Wettkampf 397 Ringe und einen Saisondurchschnitt von 395,43 Ringe.

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Author Georg Joosten
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